Interview

Die führenden Volkswirtschaften Afrikas als nächste Chance in Schwellenländern

Cornelis Vlooswijk, leitender Portfoliomanager der Strategie Emerging Markets Equities von Robeco, spricht über seine Anlageerfahrung, wie er die Schwellenländer im Hinblick auf den Nahostkonflikt einschätzt und wie die führenden Volkswirtschaften Afrikas im Jahr 2026 aufgestellt sind.

Autoren/Autorinnen

    Portfolio Manager
    Sharolyn Reynard
    Investment Writer

Zusammenfassung

  1. Unternehmen aus Schwellenländern können inzwischen besser mit schwierigen Umgebungen umgehen
  2. In Schwellenländern gedeihen Innovationen
  3. Afrika bietet dank eines besseren makroökonomischen Umfelds und niedriger Bewertungen attraktive Aussichten

Wie sind Sie ursprünglich in die Investmentbranche gekommen?

Ich interessiere mich schon seit meiner Jugend für die Märkte, da mein Vater als Privatanleger jeden Abend nach der Arbeit die Aktienkurse prüfte. Ich war davon fasziniert, wie schnell sich die Aktienkurse scheinbar grundlos ändern konnten. Ich mochte Zahlen und Buchhaltung und den Wettbewerbsaspekt im Investmentbereich. Es ist keine Lotterie – sondern es geht darum, Informationen zu sammeln, sie zu bewerten und mit Bedacht bessere (oder schnellere) Entscheidungen zu treffen, als andere.

An der Universität trat ich der studentischen Investmentgesellschaft bei und studierte Wirtschaft und Finanzen. Nach meinem Abschluss zog ich nach London, um im Bereich Fusionen und Übernahmen sowie Unternehmensfinanzierung zu arbeiten. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen, sie hat mich aber darin bestärkt, mich lieber mit der Dynamik von Investitionen auf den Aktienmärkten zu befassen. Die Märkte ändern sich stetig, weshalb Wachsamkeit, Informationen und Entscheidungsfreude wichtig sind. Ich begann bei Robeco zunächst im Rahmen eines Research-Joint-Ventures mit der Rabobank und wechselte 2008 in das Emerging Markets Team.

Wodurch zeichnet sich eine gute Aktie aus?

Eine unterbewertete Aktie ist gut. Und ein gutes Unternehmen hat nicht immer eine gute Aktie, denn die Bewertung ist entscheidend. Das wäre zum Beispiel bei einem starken Unternehmen mit einem von den Märkten allgemein unterbewerteten langfristigen Ertrags- und Cashflowpotenzial der Fall. Oder bei einem mittelmäßigen Unternehmen, dessen Anleger ausgestiegen sind, wodurch seine Bewertungen extrem niedrig (und extrem attraktiv) erscheinen.

Manchmal stecken auch die interessantesten Chancen in Unternehmen mit Problemen, die der Markt allzu pessimistisch behandelt. Wenn die Bewertungen sinken, kann das Risiko-Ertrags-Verhältnis ungemein verlockend werden. Ich verwalte die Strategie African Equities von Robeco, mit der wir häufig Unternehmen beobachten, die mit erheblichen Abschlägen gegenüber anderen Regionen gehandelt werden. Sie sind zwar nicht makellos, können aber wegen einer anfänglich niedrigen Bewertung attraktive Renditen erzielen.

Eine unterbewertete Aktie ist gut ... das kann bei einem mittelmäßigen Unternehmen der Fall sein ... wenn Bewertungen extrem niedrig sind Cornelis Vlooswijk
Cornelis Vlooswijk
Portfolio Manager

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Emerging markets investing

Welche wichtige Lektion haben Sie im Laufe der Jahre gelernt?

Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist mehr Sorgfalt nötig. Märkte sind zwar nicht vollkommen effizient, aber auch nicht dumm. Wenn ein Unternehmen gut dasteht, sein Aktienkurs jedoch fällt, sollte kein Irrtum des Marktes vorausgesetzt werden. Womöglich sind gewisse Informationen nur auf lokaler Ebene bekannt. Das gilt besonders für Schwellenländer. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um Insiderhandel, aber Vorsicht ist angebracht. Umgekehrt ist ein übermäßiges Vertrauen falsch, wenn etwas wie ein leichter Sieg aussieht.

Die Schwellenländer sind 2026 stark gestartet, die Dynamik ist durch den Iran-Konflikt aber ins Stocken geraten. Wie sehen die Aussichten für Aktien aus Schwellenländer zu Beginn des zweiten Quartals aus?

Eine Prognose für die Aktienmärkte ist insgesamt schwierig, weil so viel vom Iran-Krieg abhängig ist. Die Aussichten für Schwellenländer sind meiner Einschätzung nach aber deutlich besser als für Industrieländer. Die Unternehmen und Volkswirtschaften der Schwellenländer haben erstens eine so niedrige Ausgangsbasis, dass sie selbst bei einem schwierigen Umfeld problemlos echtes Wachstum erzielen können. Die Bewertungen sind ebenfalls wesentlich niedriger, wodurch Unternehmen aus Schwellenländer relativ deutlich attraktiver erscheinen.

Für Afrika ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild. Höhere Kosten für Öleinfuhren und niedrigere Metallpreise sind für Südafrika negativ, aber die Aktienkurse haben seit Beginn des Konflikts stark korrigiert. Daraus haben sich aber überzeugend niedrige Bewertungen und günstige Möglichkeiten für den Wiedereinstieg ergeben. Für Ägypten sind wir wegen des Krieges zurückhaltend. Vor dem Konflikt wies das Land eine starke Dynamik auf, ist jetzt aber aufgrund seiner Abhängigkeit von den Golfstaaten bei der Finanzierung anfällig, was sich in sehr niedrigen Bewertungen niederschlägt. Nigeria, Algerien, Angola, Mosambik und einige andere afrikanische Länder profitieren als Öl- und Gasexporteure dagegen von den steigenden Energiepreisen. Der Krieg ist für keine Region gut, Afrika ist davon aber etwas weniger abhängig als Europa oder Teile Asiens.

Emerging Markets Equities D EUR

performance ytd (31-3)
3,81%
Performance 3y (31-3)
14,44%
morningstar (31-3)
4 / 5
SFDR (31-3)
Article 8
Ertragsverwendung (31-3)
No
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Welche Trends und Chancen in den Schwellenländern finden Sie besonders spannend?

Die größten Chancen liegen inzwischen eindeutig in Afrika. Nach über zehn Jahren mit enttäuschenden Renditen (2011-2024) haben sich globale Anleger weitgehend von diesem Markt – mit Ausnahme Südafrikas – verabschiedet. Nach Jahren schlechter Wirtschaftspolitik haben Länder wie Ghana und Nigeria Reformen durchgeführt, die durch Erfolge bei Rohstoffen – Gold in Ghana und Öl in Nigeria – gestützt werden.

Durch ein sich verbesserndes makroökonomisches Umfeld und die niedrigen Bewertungen sind die in diesen Ländern tätigen Unternehmen gut für ein Gewinnwachstum positioniert. Demografische Trends wie das Bevölkerungswachstum und eine wachsende Zahl junger Menschen schaffen eine natürliche Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Die Einführung der Telekommunikation und des Zahlungsverkehrs per Mobilgerät sind anschauliche Beispiele. Unternehmen wie MTN und Vodacom kombinieren starke Technologie mit dem Engagement in schnell wachsenden Märkten wie Ägypten, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo. Mobile Zahlungsmittel schaffen enorme Effizienzgewinne in Gebieten, in denen es kaum traditionelle Bankinfrastruktur gibt.

Welcher Aspekt wird bei Investitionen in Aktien aus Schwellenländer oft missverstanden?

Viele Anleger aus Industrieländern gehen immer noch davon aus, dass Schwellenländer technologiearm und „rückständig“ sind, doch Innovationen beschränken sich nicht auf die Industrieländer. Schwellenländer können große Teile der Lieferketten in verschiedenen Branchen beherrschen. Zum Beispiel in der Halbleiterindustrie: Das taiwanesische Unternehmen TSMC stellt die weltweit fortschrittlichsten Prozessoren her, und zwei der drei Weltmarktführer für Speicher mit hoher Bandbreite, SK Hynix und Samsung, sind in Südkorea ansässig.

Viele Anleger aus Industrieländern gehen immer noch davon aus, dass Schwellenländer technologiearm und „rückständig“ sind, doch Innovationen beschränken sich nicht auf die Industrieländer Cornelis Vlooswijk
Cornelis Vlooswijk
Portfolio Manager

Welche Schwellenländer bevorzugen Sie derzeit?

Nach der jüngsten Korrektur zeichnen sich viele südkoreanische Unternehmen durch ein starkes Ertragspotenzial aus, das immer noch unterschätzt wird, insbesondere in technologiebezogenen Sektoren. Auch Nigeria und Ghana sind dank sinnvoller Wirtschaftsreformen und des Rückenwinds aus dem Rohstoffsektor eine gute Wahl.

Wenn Sie eine historische Persönlichkeit treffen könnten, die die Finanzwelt beeinflusst hat, wer wäre das und was würden Sie fragen?

Ich würde mich für Benjamin Graham entscheiden, den Begründer des Value Investing. Seine Arbeit brachte Disziplin und Rationalität in Märkte, die damals weitaus spekulativer waren. Ich würde ihm die Frage stellen, bei welchem Bewertungsabschlag er Aktien aus Schwellenländern gegenüber US-Aktien vorziehen würde. Er schätzte die Unternehmensqualität und niedrige Bewertungen. Es wäre interessant zu erfahren, wie er diese Faktoren heute gewichten würde, insbesondere angesichts der Tatsache, wie teuer die US-Märkte im Vergleich zu den Schwellenländern geworden sind.


*Die auf dieser Seite genannten Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung. Über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens kann keine Aussage abgeleitet werden. Hierbei handelt es sich nicht um Kauf-, Verkaufs- oder Halteempfehlungen.

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