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Energiesicherheit und KI beschleunigen Übergang zu erneuerbaren Energien

Investitionen in erneuerbare Energien dürften einerseits durch wachsende Sorgen um die Energiesicherheit und andererseits durch den Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) Auftrieb erhalten, wie die Global Climate Investing Survey von Robeco untermauert.

Autoren/Autorinnen

    Head of SI Thought Leadership and Climate & Biodiversity Strategist

Zusammenfassung

  • Drei Viertel der Anleger erwarten, dass der Nahostkonflikt die Energiewende beschleunigt
  • Mehr als die Hälfte erwartet, dass KI erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastruktur fördert
  • Die meisten erwarten trotz Widerstands gegen Netto-Null-Ziele eine Fortsetzung der Energiewende

Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels wie Solarenergie, Stromnetze und Energiespeicher stoßen weiterhin auf großes Interesse, obwohl Regierungen von ihren Netto-Null-Zusagen abrücken und Subventionen kürzen. Anleger betrachten Investitionen in solche Lösungen weiterhin als Eckpfeiler ihrer Klimastrategie. Energiesicherheit und KI verleihen ihnen dabei zusätzlichen Antrieb. Dies geht aus der sechsten jährlichen Befragung von 300 Anlegern aus Europa, Asien-Pazifik (APAC) und Nordamerika hervor.

Nahostkonflikt erhöht Bedeutung der Energiesicherheit

Erstmals wurde in der Umfrage eruiert, wie sich der Nahostkonflikt und die durch die Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus verursachten Unterbrechungen der Energieversorgung auf den Übergang zu erneuerbaren Energiequellen auswirken könnten.

Weltweit waren 75 % der Befragten der Ansicht, dass der Konflikt den Übergang moderat oder deutlich beschleunigen wird. In Europa waren es 78 % und in Asien-Pazifik 83 %, in Nordamerika dagegen nur 66 %. Die meisten Befragten erwarteten eine „moderate Beschleunigung“, während weltweit ein Viertel mit einer geringen oder gar keiner Beschleunigung rechnete.

Die regionalen Unterschiede könnten teilweise daher rühren, wie stark die Regionen von Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion abhängig sind. Europa und Asien-Pazifik sind stärker auf diese Importe angewiesen.1 Die USA hingegen sind der weltweit größte Erzeuger von Rohöl und Erdgas. Kanada steht bei der Ölförderung an vierter und bei der Erdgasproduktion an fünfter Stelle.2

Abbildung 1: Wie wird der Nahostkonflikt die Energiewende beschleunigen?

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026

„Die Befragung verdeutlicht, dass Anleger erneuerbare Energien zunehmend nicht nur als Lösung für den Klimaschutz, sondern auch für die Energiesicherheit betrachten“, sagt Lucian Peppelenbos, Climate and Biodiversity Strategist bei Robeco. „Die jüngsten geopolitischen Spannungen unterstreichen den strategischen Wert heimischer erneuerbarer Energien, um die Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe zu begrenzen.“

„Die Auswirkungen gehen über kurzfristige Schwankungen der Energiepreise hinaus. Wenn Regierungen und Unternehmen mehr Wert auf Energieresilienz legen, fließen Investitionen womöglich verstärkt in heimische erneuerbare Energien, Speicher, Stromnetze und Technologien für die Elektrifizierung.“

„Damit bieten sich nicht nur bei Entwicklern erneuerbarer Energien Chancen, sondern auch bei Ausrüstungen, Infrastruktur und Dienstleistungen, die für den Aufbau eines sichereren Stromversorgungssystems benötigt werden.“

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Chancen durch KI

Eine zweite neue Frage betraf, ob Anleger die Vorteile von KI höher als ihre Nachteile einschätzen. Weltweit erwarteten 57 % positive Auswirkungen der KI auf die Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien. Mit 63 % rechnete ein noch größerer Anteil damit, dass sie den Ausbau nachhaltiger Infrastruktur beschleunigt.

KI kann die maximale Effizienz von Windkraftanlagen und Solarmodulen ermitteln, den Bau weiterer Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien wie Wasser- und Gezeitenkraftwerke optimieren und Schwankungen bei Spitzenlast und Stromangebot vorhersagen. Laut der Internationalen Energie-Agentur könnte ein KI-gestütztes Management zusätzliche Übertragungskapazitäten von bis zu 175 Gigawatt (GW) erschließen, ohne eine einzige neue Stromleitung zu bauen.3

Abbildung 2: Wie wird sich KI auf die Klimaziele auswirken?

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026

Anleger erkennen aber auch die Umweltbelastung durch den Ausbau von Rechenzentren. Rechenzentren benötigen für ihren Betrieb viel Strom und viel Wasser für die Kühlung. Laut CarbonBrief entfallen inzwischen 1,5 % des weltweiten Strombedarfs und 0,5 % der CO₂-Emissionen auf sie.4

Nur 47 % der Befragten erwarteten, dass KI den Wasserverbrauch senken oder die Wassernutzung verbessern wird. 24 % rechneten dagegen mit negativen Auswirkungen. Auch hinsichtlich einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen (41 % positiv, 23 % negativ) und der Erreichung des Netto-Null-Ziels (35 % positiv, 21 % negativ) gingen die Meinungen auseinander.

„KI beeinflusst die Energiewende in zweierlei Hinsicht“, bemerkt Peppelenbos. „Einerseits erhöht sie den Bedarf an Strom und Infrastruktur, andererseits kann sie die Effizienz erneuerbarer Energiesysteme und der Stromnetze steigern. Anleger erkennen zwar an, dass die Emissionen kurzfristig steigen. Offenbar gehen sie aber davon aus, dass beide Effekte die langfristige Energiewende letztlich fördern.“

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Am Netto-Null-Ziel festhalten

In der Befragung wurde auch untersucht, ob politischer und populistischer Widerstand gegen Netto-Null-Emissionen die Energiewende verlangsamen könnte. Die Mehrheit der Anleger blieb zuversichtlich, dass sich erneuerbare Energien ungeachtet dieses Widerstands weiter durchsetzen werden.

Weltweit erwarteten 71 % eine Fortsetzung der Energiewende. In Asien-Pazifik waren es 74 %, in Europa 69 % und in Nordamerika 68 %. Zudem glaubten weltweit 63 %, dass der Widerstand gegen das Netto-Null-Ziel mit der Zeit nachlassen wird, da Klimarisiken für Anleger und Regierungen an Bedeutung gewinnen und spürbarer werden. Diese Ansicht teilten 66 % der Befragten in Europa, 62 % in Asien-Pazifik und 57 % in Nordamerika.

Abbildung 3: Ansichten zum Übergang zu erneuerbaren Energien

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026

„Was an der diesjährigen Befragung auffällt, sind die beständigen Überzeugungen der Anleger“, so Peppelenbos. „Trotz der politischen Debatten über das Netto-Null-Ziel betrachten die meisten institutionellen Anleger den Klimawandel weiterhin als entscheidenden Faktor für den langfristigen wirtschaftlichen Wandel und die damit verbundenen Anlagerisiken und -chancen.“

Fußnoten

1 https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=67844
2 https://www.capp.ca/en/oil-natural-gas-you/oil-natural-gas-canada/
3 https://www.renewableinstitute.org/how-ai-is-making-renewable-energy-smarter/
4 https://www.carbonbrief.org/ai-five-charts-that-put-data-centre-energy-use-and-emissions-into-context

Robeco Global Climate Investing Survey 2026

Trotz wachsender Sorgen um Energiesicherheit und Klimarisiken halten Investoren an ihren Netto-Null-Zielen fest.
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