Einblick

Quant Chart: Bond-Risiken neu denken: Erkenntnisse aus Drawdowns

Selbst traditionell „sichere“ Anlagen wie Staatsanleihen haben in diesem Jahrhundert reale Vermögenswerte nicht geschützt. Ihr Verhalten bei Wertverlusten zu verstehen, wirft ein Licht auf das Risiko in Multi-Asset-Portfolios.

Autoren/Autorinnen

    Head of Conservative Equities and Chief Quant Strategist

In jeder Anlageklasse, einschließlich Sparguthaben, Anleihen, Aktien und sogar Gold, gab es Phasen, in denen die reale Kaufkraft erheblich untergraben wurde. In seinem Blog „No asset is safe – but some lose less“ erklärt Pim van Vliet einen größeren historischen Kontext und betont, dass es nicht wichtig ist, kein Risiko einzugehen, sondern die unterschiedlichen Formen von Risiko entscheidend sind.

In diesem Quant Chart konzentrieren wir uns auf den modernen „Anleihenwinter“ als jüngstes Kapitel in dieser Geschichte, in der Inflation und Zinszyklen aufeinandertreffen und Anlegern in Anleihen reale Verluste bescheren. Die Grafik beleuchtet den tief verwurzelten Glauben, dass Anleihen eine verlässliche Absicherung gegen Verluste sind, und zeigt auf, wie reale Wertverluste1 die Erfahrungen langfristiger Anleiheninhaber geprägt haben, und geht auf den Gesamtportfolioansatz ein.

Ein Doppelschlag für Anleger

Die Grafik veranschaulicht die realen Wertverluste vom Höchststand bis zum Tiefststand bei US-Staatsanleihen über einen längeren Zeitraum und beantwortet damit im Wesentlichen die Frage: „Wenn ich zum ungünstigsten Zeitpunkt Anleihen gekauft hätte, wie große Verluste hätte ich dann unter Berücksichtigung der Inflation erlitten?“

Abbildung 1 – Reale Wertverluste von US-Staatsanleihen, 1900-2025

Quelle: McQuarrie (2024)1 und Robeco

Staatsanleihen gelten zwar oft als sicher, doch ihre tatsächlichen Wertverluste sind deutlich vielschichtiger. In Zeiten, in denen die Inflation stark ansteigt und die Zinssätze nach oben angepasst werden, können die Anleihekurse fallen, während die Inflation gleichzeitig den Wert verringert: ein Doppelschlag für Anleger.

Die 1970er- und frühen 1980er-Jahre stellen ein besonders gravierendes Beispiel dar: Die realen Verluste betrugen bis zu 50 %. Aber die Erfahrungen der frühen 2020er Jahre verdeutlichen, dass es sich hierbei keineswegs um eine alte Geschichte handelt. Selbst in jüngster Zeit mussten Anleger in Anliehen reale Wertverluste von rund 30 % hinnehmen, was die Vorstellung infrage stellt, dass Anleihen das Vermögen in jedem Umfeld zuverlässig schützen.

Die wichtigste Erkenntnis ist dabei nicht, dass Anleihen an sich unsicher sind, sondern dass nominale Stabilität über kurze Zeiträume keine Garantie für reale Sicherheit über lange Zeiträume ist. Risiken, die bei einer einmonatigen Betrachtung harmlos erscheinen, können sich bei anhaltender Inflation leise und äußerst schmerzhaft anhäufen.

QI Global Conservative Equities D EUR

performance ytd (31-12)
4,39%
Performance 3y (31-12)
9,60%
morningstar (31-12)
3 / 5
234
SFDR (31-12)
Article 8
Ertragsverwendung (31-12)
No
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Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.Annualisiert (für Zeiträume, die länger als ein Jahr sind). Die Performance-Zahlen sind abzüglich Gebühren und basieren auf den Transaktionspreisen.

Eine vielschichtigere Betrachtung

Diese vom Zeithorizont abhängige Risikobetrachtung steht im Mittelpunkt des zunehmend diskutierten Gesamtportfolioansatzes. Anstatt Vermögenswerte in starre „sichere“ oder „risikoreiche“ Kategorien einzuteilen, konzentriert er sich darauf, wie sich das gesamte Portfolio in verschiedenen wirtschaftlichen Bedingungen und über lange Anlagehorizonte hinweg verhält, wobei dem realen Verlustrisiko besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Aus dieser Perspektive sind Anleihen nicht immer der risikoarme Anker, für den sie oft gehalten werden. Umgekehrt können Aktien, vor allem defensive Aktien, weniger riskant erscheinen als gemeinhin angenommen, wenn sie anhand langfristiger realer Wertverluste und nicht anhand kurzfristiger Volatilität bewertet werden. Zwar sind Aktien im Monatsverlauf volatiler, doch haben risikoarme Aktien in der Vergangenheit Profile für reale Kursverluste gezeigt, die nicht dramatisch schlechter sind als bei Anleihen, während sie zugleich langfristig eine bessere Beteiligung am Wirtschaftswachstum und an der Inflationsanpassung bieten.

Reale Verluste beeinträchtigen die Erholung in einer Weise, die nominale Renditen oft nicht erkennen lassen: Ein Kaufkraftverlust von 30 % erfordert einen Gewinn von über 40 %, nur um die Gewinnschwelle zu erreichen. Diese Asymmetrie ist für langfristige Anleger wichtig. Wertverluste bei Anleihen verdeutlichen, dass das Portfoliorisiko zwischen den Anlageklassen nicht symmetrisch ist. Aktien mögen zwar volatil sein, aber sie neigen dazu, im Laufe der Zeit mit der Inflation mitzuwachsen, während Anleihen auf der Stelle treten können, wenn steigende Renditen und Inflation gleichzeitig den realen Wert aufzehren.

Ein Blick auf das Gesamtportfolio ermöglicht es, über die traditionellen Risikobereiche hinaus zu denken und reale Renditeperspektiven einzubeziehen, insbesondere in einem Umfeld mit erhöhter Inflation und Zinsvolatilität. Wie Van Vliet im vollständigen Blog anmerkt, bietet Diversifizierung den größten Schutz. Wenn Sie Ihr gesamtes Kapital auf einem Sparkonto anlegen, erhöht sich das langfristige Inflationsrisiko. Alles in Aktien zu investieren, erhöht sowohl kurz- als auch langfristig den Kursverlust. Ein stabiles Portfolio, das z. B. eine sinnvolle Allokation auf konservative Aktien mit geringer Volatilität kann eine überzeugende Kombination aus Inflationsschutz, Marktstabilität und langfristiger Rendite bieten.

Fußnoten

1Reale Wertverluste beziehen sich hier auf den Rückgang der Kaufkraft nach der Inflation.
2McQuarrie, E. F. (2024b) „Introducing a New Monthly Series of US Government Bond Returns 1793–2023“. working paper 4899187, SSRN

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